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Social Media im Urlaub - ruf akademie forscht zwischen Fluch & Segen

Die Befragung von 601 Jugendlichen zu ihrer Internetnutzung auf Jugendreisen hat interessante Ergebnisse gebracht. Im Frühjahr hat sich der Pädagogische Arbeitskreis von ruf mit dem Thema „Internetnutzung auf Jugendreisen“ beschäftigt, um Vor- und Nachteile des W-Lan Empfangs in den Camps und Hotels zu analysieren und daraus folgende Chancen und Gefahren zu diskutieren. Hierfür sollten auch die Stimmen der Jugendlichen selbst gehört und anhand einer Befragung weitere Erkenntnisse gewonnen werden.  Aus den Ergebnissen der Recherchen, Befragung und einer wissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Social Media und Gruppendynamik“ wurden Handlungsoptionen und Ideen für Maßnahmen vor Ort entwickelt.

An der anonymen Online-Befragung nahm eine für Jugendreisen repräsentative Gruppe Jugendlicher zwischen 13 und 24 Jahren teil. Einige interessante Ergebnisse dokumentieren wir im Folgenden:

Jugendliche wollen im Urlaub mit dem eigenen Endgerät flexibel online gehen und vor allem auf Facebook & WhatsApp nicht verzichten, beschäftigen sich aber nur halb so viel damit wie zuhause

Fast 100% der Befragten sagten deutlich, dass sie im Urlaub „online sein“ wollen – aber längst nicht so zeitintensiv wie im Alltag: Ca. 90% nutzen dafür ihr eigenes Smartphone oder Tablet, weniger als  1/4 der Jugendlichen nutzen auch mal PCs im Internetcafe oder Geräte von anderen. Mit großem Abstand zu anderen Communitys/APPs werden auch im Urlaub Facebook (76%) und WhatsApp (68%) am meisten genutzt.  Jedoch werden diese APPs im Urlaub nur ca. die Hälfte der Zeit im Vergleich zuhause genutzt!

Kontakt zum Freundeskreis zu Hause als Hauptnutzungsgrund: Nichts verpassen!

Der Hauptgrund der Internetnutzung im Urlaub ist das „Kontakt halten zu Freunden zuhause“.
89,8 % nutzen das Internet dafür, 66,4 % gaben sogar „sehr viel“ oder „eher viel“ an. (Kontakt halten zu den Eltern im Vergleich: 50% „sehr viel“ / „eher viel“). Ein wichtiger Grund dafür ist „mitbekommen was im Freundeskreis los ist“. Dies geschieht vorrangig  durch WhatsApp, etwas weniger durch Facebook. E-Mail und Skype werden nur von ¼ der Jugendlichen im Urlaub genutzt. Knapp 40% der Jugendlichen gaben an, das sie auch Kontakt halten um die kontaktierten weniger zu vermissen.
Gut die Hälfte der Befragten nutzt das Internet um anderen von ihrem Urlaub zu erzählen, meist durch das posten von Fotos oder Berichten.

Neue Urlaubsbekanntschaften werden online besiegelt

86% nutzen das Internet im Urlaub durchaus auch, um sich die Kontaktdaten von neuen Urlaubsbekanntschaften/Mitreisenden zu merken (z.B. diese bei Facebook zu „adden“)! Die Hälfte aller befragten Jugendlichen nutzt diese Möglichkeit sogar „Viel/sehr viel“.
Etwas weniger als die Hälfte nutzen das Internet, um sich Infos zum Urlaubsort zu holen.
Den Nutzungsgrund „Langeweile/Beschäftigung haben“ gaben 19,3% an.

Online sein im Urlaub bedeutet Stress – und dies ist den Jugendlichen auch bewusst

73,1% der Jugendlichen sagen, dass das Kontakt halten mit Freunden/Eltern eher stressiger als entspannend ist („manchmal stressiger“ 53,5%; „oft stressiger“ 19,6%).
Auch wenn fast alle Jugendlichen angeben dass sie im Urlaub online sein wollen, wären 45% bereit auch mal freiwillig im Urlaub auf Internet zu verzichten. 83,6% sagen das sie weniger im Urlaub online sind, wenn Programm und Aktivitäten vor Ort richtig gut sind!


Anmerkungen des pädagogischen Arbeitskreises:

WLAN birgt Risiken, aber auch Chancen. Risiken liegen natürlich auch  in den Gefahren durch Cybermobbing, jugendgefährdende Inhalten oder Verletzung der Privatsphäre der Teilnehmer untereinander z.B. durch das Posten von unerwünschten Fotos. Diesen Herausforderungen stellen wir uns vor Ort und schon vorher in der Ausbildung der Mitarbeiter und durch die Sensibilisierung anhand des Verhaltenskodex für Mitarbeiter.

WLAN und die dadurch mögliche Internetnutzung hat aber auch Auswirkungen auf die direkte Kommunikation und die Entwicklung der Gruppe, auf das soziale Verhalten und das individuelle Erleben der Teilnehmer hat. Diese Auswirkungen sind aber nicht nur negativer Art und sollte nicht nur negativ bewertet werden. So gibt die Smartphone-Nutzung zu Beginn einer Reise dem einzelnen Reisenden eine vertraute Sicherheit. Es ist aber Aufgabe der Mitarbeiter, negative Auswirkungen zu minimieren und Chancen zu nutzen, die Jugendlichen von online zu offline-Erlebnissen zu bewegen.

Eine negative Auswirkung kann sein, dass gruppendynamische Prozesse (und dadurch auch Erlebnisse, positive Effekte in der persönlichen Entwicklung des Jugendlichen) durch die Beschäftigung mit dem Smartphone und den fast ununterbrochenen Bezug zu „zu Hause“ gehemmt werden.

Das Mitteilen vom Erlebnis Urlaub hat sich entwickelt von einer langsamen, einseitigen, zeitversetzten Berichterstattung (früher: Postkarte, Fotos, Erzählen erst NACH dem Urlaub) zu einem schnellen, unmittelbaren, interaktiven und zeitgleichen Dialog - Freunde/Eltern „reisen mit“ via WhatsApp und Facebook. Das bedeutet dass der Jugendliche sich in zwei „Welten“ (z.B. Freundeskreis daheim, Urlaubsgruppe vor Ort) gleichzeitig z.B. profilieren muss – dies ist Stress.

Letztere These wurde durch die Onlineumfrage deutlich bestätigt – die Jugendlichen sind sich dessen also sogar bewusst. Den Mitarbeitern sollte es also auch bewusst sein, einerseits für ihren Umgang mit den Jugendlichen, andererseits auch für ihren eigenen Umgang mit den mobilen Medien! Ein weiteres Ergebnis der Umfrage sollte Beachtung finden: Bei einem attraktiven Programm beschäftigen sich die Teilnehmer WENIGER mit dem Internet/ihrem Smartphone – online sein ist also kein zeitlich konstantes „muss“ sondern eine vom Urlaubserleben abhängige Variable. Es ist also eine Herausforderung für das Team: Für das Internet brauchen die Teilnehmer nicht das Team – wie kann das Team sich also „brauchbar“ machen?

Es gibt jedoch auch positive Seiten der Internetnutzung: Die Beschäftigung mit dem eigenen Smartphone, der Kontakt nach Hause kann zeitweise sinnvoll sein und Sicherheit geben, gerade für Alleinreisende. Der Internetzugang bietet die Chance sich besser über das Urlaubsland/Ort zu informieren und Urlaubsbekanntschaften online „fortzuführen“.
Die Lösung kann NICHT sein, die Nutzung des Internets zu erschweren oder zu dogmatisieren.

Ziel muss sein, dass die Nutzung des Internets NICHT das positive Urlaubserleben (wie auch Entspannung, Gruppendynamik, nachhaltige Erlebnisse, trainieren kommunikativer Softskills etc.) erschwert! Wichtigster Schlüssel dazu sind die Mitarbeiter - und auch ihr Umgang mit dem Thema selbst.

 

Während der aktuellen Sommersaison werden weitere Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, um damit Konzepte für die Praxis zu entwickeln: Der pädagogische Arbeitskreis wird  mit den Ausbildern der ruf akademie an zeitgemäßen Ausbildungsinhalten und geeigneten Handlungsoptionen für die Teams vor Ort arbeiten.


Quelle Grafik: www.hplyrikz.com

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Tags: pädagogik, wissenschaft, betreuung, ruf reisen,

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