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Mehr Vielfalt & Inklusion auf Jugendreisen - Projekte mit ruf & Kooperationspartnern

Diversität, Nachhaltigkeit und Inklusion sind in aller Munde. Für ruf und die ruf akademie sind dies nicht plakative Modeworte, sondern ernstzunehmende Herausforderungen. Vielen ist nicht bekannt, dass der heutige Marktführer ruf vor 33 Jahren aus pädagogischer Motivation von Studierenden der Freizeitpädagogik gegründet wurde und nach wie vor intensiv an pädagogischen, gesellschaftlichen und sozialen Themen arbeitet.

Für die pädagogischen Reisekonzepte, sozialen und wissenschaftlichen Kooperationen sowie die Mitarbeiterausbildung des Jugendreiseveranstalters ist vor allem die ruf akademie als Teil des 1981 gegründeten Vereins „Reisen und Freizeit mit jungen Leuten e.V.“ zuständig.
Schon seit vielen Jahren kooperiert sie zu den verschiedenen Themen aus dem Jugendreisebereich mit  Hochschulen, Verbänden, anderen Jugendreiseveranstaltern sowie Fachleuten beispielsweise von transfer e.V. oder aus der jugendpolitischen Initiative JIVE („Interkulturell goes on“ www.jive-international.de). 

Der ruf-eigene pädagogische Arbeitskreis arbeitet intern soziale und gesellschaftliche Themen in Bezug auf die jugendlichen Gäste und die Betreuungskonzepte von ruf auf.
Zurzeit beschäftigen sich der Veranstalter ruf und die ruf akademie beispielsweise mit Themen wie nachhaltigem Jugendtourismus, pädagogischen Betreuungskonzepten in Bezug auf die sich wandelnde Jugendphase sowie der Herausforderung durch die mobile Internetnutzung auf Jugendreisen. Zu letztgenanntem Thema wertet die ruf akademie aktuell eine Umfrage unter 600 Reiseteilnehmern aus, um daraus Erkenntnisse zur Auswirkung auf die Gruppendynamik und das Urlaubserlebnis zu gewinnen und in den Reisekonzepten zu berücksichtigen.

Zum Stichwort Nachhaltigkeit werden zur Zeit neue Maßnahmen konzipiert und im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit geforscht. Im Bereich Inklusion und Diversität laufen aktuell zwei Projekte: 2014 wird mit YAT Reisen (Veranstalter für barrierefreie Jugendreisen) ein inklusives Camp durchgeführt, in welchem Jugendliche mit und ohne Rollstuhl den Urlaub in der spanischen Sonne genießen können. 2013 startete mit der Hochschule Bremen ein Projekt welches sich Diversität und interkulturellen Gedanken widmet:

Hochschulprojekt: Jugendreisen und Jugendliche mit „Migrationshintergrund“

Als Partner in der Jugendpolitischen Initiative JIVE möchte die ruf akademie daran mitarbeiten, benachteiligten Jugendlichen und/oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund mehr Möglichkeiten der Teilhabe im Rahmen der sogenannten “Internationalen Jugendmobilität“ zu eröffnen. Eine dieser Möglichkeiten ist die Teilnahme an Jugendreisen in andere Länder. Diese eröffnen den  Jugendlichen nicht nur eine Erweiterung des eigenen Erfahrungs-Horizontes, sondern fördern auch den Erwerb sozialer Kompetenzen durch informelles und interkulturelles Lernen. Jugendreisen wirken verbindend zwischen unterschiedlichen Kulturen, sowohl durch die Kontakte zu den Menschen im Gastland als auch innerhalb der Reisegruppe. Eine interne Befragung der jugendlichen Reiseteilnehmer im März 2014 durch die ruf akademie zeigt passend dazu, dass das gemeinsame Gruppenerlebnis nach wie vor im Vordergrund steht (87,7% finden „Neue Leute kennenlernen & Gemeinsame Gruppen-Aktionen“ wichtig bis sehr wichtig) und dass ein Großteil (91,8%) der Jugendlichen durchaus das Kennenlernen anderer Kulturen wichtig ist.
Bei einem gemeinsamen Projekt arbeitete die ruf akademie gemeinsam mit Studierende der Internationalen Studiengänge „Angewandte Freizeitwissenschaften“ und „Tourismusmanagement“ der Hochschule Bremen an folgenden Kernfragen: „Warum nehmen an Jugendreisen nur sehr wenige Jugendliche mit Migrationshintergrund teil?  Wie können wir bessere Voraussetzungen für die Teilnahme an Jugendreisen schaffen?“ 
Bei den in Deutschland angebotenen Jugendreisen ins Ausland ist der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund jedoch bisher sehr gering. Um vermutete Gründe zu verifizieren, konkrete Ursachen zu recherchieren und vor allem Maßnahmen zu entwickeln, um die Jugendlichen mit den Jugendreisekonzepten zu erreichen, wurde ein Kooperationsprojekt ins Leben gerufen:
Im Rahmen der „Learners Company“ an der Hochschule Bremen arbeiteten zwölf Studierende ein Semester lang gezielt am von ruf angeregten Thema „Optimierung von Jugendreisen für Jugendliche mit Migrationshintergrund“.  Als Dozent und Projektleiter war Thilo Ebbighausen,  Diplom Sozialpädagoge  der ruf akademie, das Bindeglied zwischen der Hochschule, Experten der JIVE Initiative und den Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen von ruf.
Die Studierenden des Projekts brachten selbst Erfahrungen aus verschiedenen Kulturkreisen mit und lernten die Details von Konzeption, Ausschreibung und Durchführung der Reisen von ruf kennen. Daraufhin arbeiteten Mitarbeiter der ruf akademie, die Studierenden sowie hinzugezogene Fachleute an den maßgeblichen Fragestellungen: An welchen Stellen kann ein Jugendreiseveranstalter besser auf Jugendliche mit Migrationshintergrund eingehen und welche besonderen Bedürfnisse könnten vorliegen? Welche Inhalte soll die ruf akademie in der Ausbildung des Betreuungspersonals zukünftig stärker berücksichtigen? Was muss bei der Reiseausschreibung, Durchführung und Betreuung beachtet werden?
Aus Analysen, intensiven Recherchen und verschiedenen Interviews mit Jugendlichen, Eltern und Experten wurde ein 55-seitiger Bericht angefertigt. Im Folgenden werden einige der Ergebnisse und Ansätze für Maßnahmen dargestellt:


Zu Beginn der Analysen wurde sich intensiv mit der Definition der umstrittenen Begrifflichkeit „Migrationshintergrund“ beschäftigt. Im Rahmen des Projektes definiert sie eine breite und absolut nicht homogene Zielgruppe: Diese besteht aus Jugendlichen und ihren Eltern mit deutscher oder anderer Nationalität, deren kulturelle Wurzeln nicht in Deutschland liegen. 
Durch Zahlen des Bundesamts für Statistik (2011, „Migration in Deutschland“)  konnte analysiert werden, dass knapp ein Viertel der in Deutschland lebenden Jugendlichen in den Altersstufen 15 bis 20 Jahren einen Migrationshintergrund haben. Der Anteil dieser Jugendlichen in der Gesamtbevölkerung nimmt zu, ganz im Gegensatz zur allgemeinen demografischen Entwicklung. Türkei, Russland und Polen sind die drei häufigsten Ursprungsländer.
Ein interessantes Forschungsergebnis des Projektes war, dass das Konzept „Jugendreisen“ in den meisten Kulturen schlicht unbekannt und daher als ungewöhnlich wahrgenommen wird: Dass Eltern ihre Kinder mit „fremden“ Betreuern in den Urlaub schicken, ist in Deutschland Normalität, in vielen anderen Kulturen absurd! Dies kam bei unterschiedlichen Einzel- und Gruppeninterviews mit Jugendlichen und Eltern mit Migrationshintergrund heraus. Ebenso nehmen die Eltern in vielen Kulturen hinsichtlich ihrer Urlaubsentscheidungen einen signifikant höheren Stellenwert ein als in der deutschen Kultur.
Bei der Analyse der vorhandenen Reise- und Mitarbeiterausbildungskonzepte von ruf und der ruf akademie kamen die Studierenden zu einem erfreulichen Ergebnis: Die Konzepte sind bereits durchgehend auf ein konstruktives soziales Miteinander der Reiseteilnehmer ausgelegt. Die Mitarbeiter werden durch pädagogische Ausbildungsinhalte und Handlungsoptionen befähigt, auch heterogene Gruppen zu leiten und die Entwicklung von Individuum und Gruppe zu unterstützen.

Ruf positioniert sich unter anderem im Katalog und bei der Begrüßungsrede vor Ort deutlich gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit jeglicher Art. Während der Reise sollten verschiedene kulturelle Hintergründe aber nicht krampfhaft thematisiert, sondern als selbstverständliche, positive Vielfalt begriffen und bewusst im Sinne des Voneinander Lernens genutzt werden. Dies empfiehlt auch Katrin Nissel, Dozentin für Diversity Management an der Hochschule Bremen und Projektkoordinatorin am Zentrum für Interkulturelles Management & Diversity. Sie wurde von den Studierenden befragt und um ihre Einschätzung zu den bisherigen Ergebnissen gebeten.
Vielfalt sollte auch im Katalog auf den Fotos noch mehr als bisher zu sehen sein, finden die Studierenden des Projektes,  die die Ausschreibungen von ruf einer kritischen Analyse unterzogen haben. Ebenso sollte in den Informationen zur Verpflegung neben der bisherigen Berücksichtigung von Nahrungsunverträglichkeiten auch die Offenheit für besondere Verpflegungswünsche zum Beispiel aus religiösen Gründen kommuniziert werden. Entsprechende Hintergrundinformationen wurden recherchiert und bereits mit der ruf akademie aufgearbeitet um die Köche in den Hotels und Camps nachhaltig zu informieren.
Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch, dass viele Jugendliche aus finanziellen Gründen nicht an den Reisen teilnehmen können. Bisher erhält ruf keine Zuschüsse oder Fördergelder, arbeitet aber daran in Zukunft noch mehr Jugendlichen aus „einkommensschwachen“ Familien eine Reise ermöglichen zu können.

In der ruf Zentrale in Bielefeld wurden die Forschungsergebnisse und Empfehlungen der Projektgruppe sehr positiv aufgenommen und haben bereits Einfluss auf die Planungen und die Ausschreibungen für die nächste Sommersaison genommen. Im Sommerkatalog 2014 wurden die Anregungen der Projektgruppe bereits in verschiedenen Texten berücksichtigt. Durch Beratung von den interkulturellen Spezialisten des Vereins transfer e.V. als eine der Koordinationsstellen von JIVE wurden weitere Maßnahmen, Kooperationen und Ideen entwickelt.  Außerdem gibt es nun einen festen Ansprechpartner für interkulturelle Themenfelder bei ruf und weitere Maßnahmen werden umgesetzt, zum Beispiel eine Diversitäts-Fortbildung für ruf Mitarbeiter.

Inklusion auf Jugendreisen

Ein weit gefasster Inklusions-Begriff und eine vielfalts-bejahende Haltung ist auch in den Aussagen im ruf-Katalog oder online zu erkennen, dort steht z.B.: „Reiseteilnehmer sowie die Mitarbeiter bei ruf sind ganz unterschiedliche Typen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen: Diese Vielfalt finden wir toll!“
ruf möchte die positiven Erlebnisse einer Jugendreise auf selbstverständliche Art möglichst vielen Menschen eröffnen, und so fanden Jugendliche mit Behinderungen oder speziellen Bedürfnissen schon immer offene Türen vor: Mit individueller Beratung wird in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Abteilungen in der Bielefelder Zentrale und dem Team vor Ort gezielt daran gearbeitet, allen Jugendlichen einen perfekten Urlaub zu bieten. So konnten häufig auch Jugendliche mit Behinderungen an den Jugendreisen teilnehmen. Jedoch konnte nicht in allen Fällen eine geeignete Reise und adäquate Betreuung von ruf selbst geboten werden, so dass nach weiteren zielführenden Maßnahmen und Kooperationen gesucht wurde.

Ausgehend von einer Tagung  zum Thema Inklusion auf Jugendreisen hat sich eine Kooperation mit YAT Reisen aus Paderborn, einem Reiseveranstalter speziell für Jugendliche mit Behinderungen, entwickelt. Aus intensivem Austausch der beiden Veranstalter sind für beide Seiten wertvolle Erkenntnisse und Ideen zur Zusammenarbeit entstanden: So wurde ein gemeinsames Konzept entwickelt um die Betreuung und Rahmenbedingungen in einem ruf Camp in Zukunft so zu optimieren, dass Jugendliche mit und ohne Rollstuhl dort gleichermaßen ihren Urlaub in vollen Zügen genießen können.
Ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion.

Auch in Zukunft sind ruf und die ruf akademie sich ihrer gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst und offen für Kooperationen und Dialog.

Weitere Informationen & Kontakte:
thilo.ebbighausen(at)ruf-akademie.de
www.yat-reisen.de 
www.jive-international.de
www.transfer-ev.de
www.hs-bremen.de

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Tags: pädagogik, kooperationen, wissenschaft, sozialer tourismus, betreuung,

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